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Pappstrohhalme: Enthalten Papierstrohhalme Schadstoffe und sind sie besser für die Umwelt?

Kurz & Knapp – TL;DR
  • Eine belgische Studie fand PFAS in Trinkhalmen aus fast allen Materialgruppen, besonders häufig in Papier- und Bambusstrohhalmen; Edelstahl-Trinkhalme waren unauffällig (Universität Antwerpen, 2023).
  • 36 von 38 pflanzenbasierten Trinkhalmen gaben mittelflüchtige Fluorchemikalien ab; auch ein Übergang in Wasser wurde nachgewiesen (US-Studie, 2021).
  • Das LGL Bayern beanstandete 2020 4 von 17 Papier-Trinkhalmen; bei 4 von 11 Proben wurde der BfR-Richtwert für 3-MCPD (chemischer Prozess-Schadstoff; Nierenschäden & mögliche krebserregende Eigenschaften) überschritten, teilweise um mehr als das Zwölffache (LGL Bayern, 2020).
  • Papier- und Pappmaterialien können Weichmacher, Photoinitiatoren und Mineralölbestandteile enthalten, etwa aus Klebstoffen, Druckfarben, Beschichtungen oder Recyclingfasern (belgische Untersuchung, 2023).
  • Werden bei der Herstellung die aktuellen Vorgaben der BfR-Empfehlung Nr. XXXVI eingehalten, sind nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten.
  • Detailvorgaben für Alltagsprodukte können Akzeptanzprobleme erzeugen, wenn der ökologische Nutzen kaum sichtbar ist; reine Einwegkunststoff-Verbote senken die Müllfunde an Küsten und Flussufern rechnerisch nur um 2 bis 6 % (Waste Management, 2023).

Schadstoffe in Pappstrohhalmen: Was Untersuchungen wirklich gefunden haben

Bei Pappstrohhalmen geht es nicht nur um Geschmack und Haltbarkeit. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Papier- und Pappmaterialien für den Lebensmittelkontakt chemisch anspruchsvoller sind, als es ihr „natürliches“ Image vermuten lässt. Der Grund ist einfach: Ein Strohhalm aus Papier müsste ohne technische Hilfsmittel sehr schnell aufweichen. Damit er in Getränken einige Minuten stabil bleibt, werden Fasern, Klebstoffe, Beschichtungen oder sogenannte Nassfestmittel eingesetzt. Nassfestmittel sind Hilfsstoffe, die Papier widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit machen sollen. Genau dabei können unerwünschte Stoffe entstehen oder aus dem Material in das Getränk übergehen.

Eine ähnliche Überraschung gibt es auch beim Thema Flaschenwasser Glasflasche vs. PET-Plastikflasche (Glas stärker belastet?). Was auf den ersten Blick der Umwelt zuträglich erscheint, ist für den Konsumenten nicht immer gesund.

PFAS: Belgische Studie von 2023 fand „Ewigkeitschemikalien“ in vielen Trinkhalmen

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt eine belgische Studie aus dem Jahr 2023. Forschende der Universität Antwerpen untersuchten 39 handelsübliche Trinkhalm-Marken aus unterschiedlichen Materialien: Papier beziehungsweise Pappe, Bambus, Glas, Edelstahl und Kunststoff. Gesucht wurde nach PFAS, also per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen. Diese Stoffgruppe wird umgangssprachlich als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, weil viele PFAS in der Umwelt extrem langlebig sind.

Das Ergebnis war ernüchternd: PFAS wurden in Trinkhalmen aus fast allen Materialgruppen gefunden, nicht jedoch in Edelstahl-Trinkhalmen. Besonders häufig waren die Nachweise bei pflanzenbasierten Alternativen wie Papier- und Bambusstrohhalmen. Die Studie ist deshalb relevant, weil Pappstrohhalme oft als ökologisch saubere Alternative vermarktet werden. Wenn sie jedoch PFAS enthalten, ist diese Einordnung zumindest fragwürdig: PFAS können die biologische Abbaubarkeit verschlechtern und tragen zur allgemeinen Belastung von Umwelt und Mensch bei.

Ein besonders auffälliger Befund der Untersuchung war, dass Perfluoroctansäure (PFOA) zu den am häufigsten nachgewiesenen PFAS-Verbindungen in den getesteten Strohhalmen gehörte. PFOA zählt zu den öl- und wasserabweisenden „Ewigkeitschemikalien“ und ist in der EU seit 2020 weitgehend verboten. Kritisch ist die Substanz vor allem deshalb, weil sie sehr langlebig ist, sich in Umwelt, Tieren und Menschen anreichern kann und bei ausreichender Belastung mit möglichen negativen Effekten auf Entwicklung, Fortpflanzung und weitere gesundheitliche Endpunkte in Verbindung gebracht wird.

Wichtig ist die nüchterne Einordnung: Die Studie bedeutet nicht automatisch, dass jeder einzelne Pappstrohhalm akut gesundheitsschädlich ist. Die gemessenen Konzentrationen waren nach Aussage der Forschenden eher niedrig. Kritisch ist aber der systemische Punkt: Ein Einwegprodukt, das nur wenige Minuten genutzt wird, sollte möglichst keine langlebigen Industriechemikalien in die Umweltkette eintragen. Genau hier wird aus dem vermeintlich nachhaltigen Ersatzprodukt ein Glaubwürdigkeitsproblem. Da PFOA und viele andere PFAS im menschlichen Körper nur sehr langsam ausgeschieden werden (mehrere Jahre), können wiederholte kleine Aufnahmen langfristig zur Gesamtbelastung beitragen. Entscheidend ist daher weniger ein einzelner Pappstrohhalm, sondern die Summe verschiedener Einträge über Lebensmittel, Trinkwasser, Staub und belastete Materialien.

US-Studie von 2021: Fluorchemikalien auch in pflanzenbasierten Strohhalmen

Bereits eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2021 hatte Trinkhalme aus pflanzenbasierten Materialien untersucht, darunter Papierstrohhalme. Laut Zusammenfassung der Verbraucherzentrale NRW gaben 36 von 38 untersuchten pflanzenbasierten Trinkhalmen mittelflüchtige Fluorchemikalien ab. Auch ein Übergang dieser Stoffe in Wasser wurde nachgewiesen.

Das ist vor allem deshalb relevant, weil solche Stoffe eigentlich nicht zur Imprägnierung eingesetzt werden. Sie können auch aus Rohstoffen, Vorprodukten oder der Produktionsumgebung stammen. Für Verbraucher macht das praktisch keinen Unterschied: Entscheidend ist, was am Ende aus dem Produkt herausgelöst werden kann und welche Auswirkungen dies für den Menschen hat: Z.B. negative Effekte auf das Immunsystem, Leber, Hormonhaushalt, Entwicklung und Fortpflanzung.

Chlorpropanole: Problem durch Nassfestmittel in Papier

Chlorpropanole sind eine Gruppe chemisch verwandter Verbindungen, die in Lebensmitteln und Lebensmittelkontaktmaterialien unerwünscht sind. Besonders relevant sind dabei 3-MCPD und 1,3-DCP.

3-MCPD zeigte in Tierversuchen vor allem negative Auswirkungen auf die Nieren und die männliche Fruchtbarkeit; außerdem wurden krebserzeugende Effekte beobachtet, die nach aktueller Bewertung eher nicht über eine direkte Schädigung des Erbguts erklärt werden.

1,3-DCP gilt toxikologisch als noch kritischer, weil es ebenfalls krebserzeugende Eigenschaften zeigte und zusätzlich als genotoxisch beziehungsweise mutagen verdächtig ist. Genotoxisch bedeutet, dass ein Stoff das Erbgut schädigen kann; mutagen bedeutet, dass daraus dauerhafte Veränderungen der DNA entstehen können. Deshalb sehen die BfR-Empfehlungen für Papier, Karton und Pappe mit Lebensmittelkontakt vor, dass 1,3-DCP im Wasserextrakt nicht nachweisbar sein sollte.

Die BfR-Empfehlungen sind zwar kein Gesetz im engeren Sinne, dienen bei Papier und Pappe mit Lebensmittelkontakt aber als zentrale fachliche Bewertungsgrundlage dafür, ob die verbindlichen Anforderungen der EU-Rahmenverordnung für Lebensmittelkontaktmaterialien (EG Nr. 1935/2004 vom 27. Oktober 2004) eingehalten werden. Davor wurden die Beachtung solcher Erkenntnisse unter anderem durch EU-Richtlinien z.B. 89/109/EWG und nationale Gesetze reguliert.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte im Jahr 2020 Trinkhalme aus alternativen Materialien. Auffällig waren dabei ausschließlich Papiertrinkhalme: 4 von 17 Papier-Trinkhalmen wurden beanstandet, also 24 Prozent. Bei 4 von 11 gezielt auf Chlorpropanole untersuchten Papierstrohhalmen wurde der BfR-Richtwert für 3-MCPD von 12 µg/L im Wasserextrakt überschritten. Gemessen wurden Werte zwischen 17 und 146 µg/L (teils also mehr als ein Zwölffaches des Grenzwert). In zwei Fällen wurde zusätzlich 1,3-DCP oberhalb der Nachweisgrenze gefunden.

Das LGL betonte zugleich, dass trotz der teils deutlichen Richtwertüberschreitungen keine akute Gesundheitsgefahr festgestellt wurde. Das ist ein wichtiger Unterschied: Eine lebensmittelrechtliche Beanstandung bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt unmittelbar gefährlich ist. Sie zeigt aber, dass die Herstellung nicht sauber genug kontrolliert wurde oder technische Richtwerte nicht eingehalten wurden.

In einem weiteren Untersuchungsprogramm aus dem Jahr 2021 untersuchte das LGL 55 Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Papier, darunter 30 Trinkhalme. Bei 4 Proben wurden erhöhte Übergänge von 3-MCPD festgestellt, darunter 3 Trinkhalme. Die Beanstandungsquote bei Trinkhalmen lag damit bei 10 Prozent und hatte sich gegenüber 2020 mehr als halbiert. Das zeigt zweierlei: Das Problem ist real, aber technisch offenbar beherrschbar, wenn Hersteller sauber arbeiten.

Mineralölbestandteile, Druckfarben und Weichmacher

Auch andere Stoffgruppen sind bei Papier- und Pappmaterialien relevant. Eine belgische Untersuchung aus dem Jahr 2023 analysierte potenziell migrierende Stoffe aus Papier- und Kartonmaterialien für den Lebensmittelkontakt. Untersucht wurden 20 Trinkhalme und 58 Take-away-Verpackungen. In Trinkhalmen wurden weniger Substanzen gefunden als in Take-away-Verpackungen, aber dennoch unter anderem Weichmacher, ein Photoinitiator sowie Mineralölbestandteile. Photoinitiatoren sind Stoffe, die etwa bei UV-härtenden Druckfarben oder Lacken eingesetzt werden können.

Die Untersuchung ist besonders wichtig, weil sie das Grundproblem von Papier und Pappe als Lebensmittelkontaktmaterial zeigt: Solche Produkte können aus Frischfasern, Recyclingfasern, Klebstoffen, Farben, Beschichtungen und Hilfsstoffen bestehen. Unerwünschte Stoffe können daher aus unterschiedlichen Quellen stammen. Bei Recyclingfasern können zum Beispiel Druckfarbenbestandteile oder Mineralölrückstände aus Altpapier eine Rolle spielen. Bei bedruckten Pappstrohhalmen können zusätzlich Farbstoffe und Druckchemikalien relevant werden.

Warum Papier und Pappe regulatorisch schwieriger sind als Kunststoff

Ein oft übersehener Punkt: Für Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt gibt es auf EU-Ebene eine eigene, detaillierte Spezialregelung. Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 legt unter anderem fest, welche Stoffe für Lebensmittelkontaktkunststoffe verwendet werden dürfen und welche Grenzwerte für den Übergang dieser Stoffe in Lebensmittel gelten. Für Papier und Pappe gibt es eine vergleichbar umfassende, EU-weit harmonisierte Spezialregelung bisher nicht.

Das ist praktisch relevant: Bei Papier, Karton und Pappe hängt die Bewertung stärker von nationalen Empfehlungen, Behördenpraxis und Einzelfallprüfungen ab, etwa von der BfR-Empfehlung XXXVI für Papier, Karton und Pappe. Dadurch können Anforderungen innerhalb Europas weniger einheitlich wirken als bei Kunststoff. Für Hersteller, Prüflabore und Importeure ist diese Fragmentierung anspruchsvoller; für Verbraucher ist es schwerer zu erkennen, ob ein Pappstrohhalm aus sauber geprüften Fasern, Hilfsstoffen, Beschichtungen und Druckfarben besteht.

Das bedeutet nicht, dass Kunststoff automatisch sicherer oder ökologisch besser ist. Es zeigt aber: Der einfache Gedanke „Papier ist natürlicher, also ist Papier gesünder“ trägt wissenschaftlich nicht. Pappstrohhalme sind technisch behandelte Lebensmittelkontaktmaterialien. Ihre Sicherheit hängt stark davon ab, welche Rohstoffe und Chemikalien eingesetzt wurden und wie konsequent die Produktion kontrolliert wird.

Gesundheitliche Einordnung: Kein Grund zur Panik, aber ein klarer Qualitätsvorbehalt

Aus den bisherigen Untersuchungen folgt keine pauschale Warnung, dass jeder Pappstrohhalm gefährlich sei. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet Papier- und Pappstrohhalme bei Einhaltung der einschlägigen Empfehlungen nicht grundsätzlich als gesundheitlich bedenklich. Trotzdem ist die Kritik berechtigt: Mehrere Behörden- und Studienbefunde zeigen, dass einzelne Produkte auffällig waren oder unerwünschte Stoffe enthielten.

Die sachliche Schlussfolgerung lautet daher: Pappstrohhalme sind nicht automatisch giftig, aber auch nicht automatisch sauber. Besonders problematisch ist der Widerspruch zwischen kurzer Nutzungsdauer und chemischem Aufwand. Wenn ein Einwegprodukt mit Nassfestmitteln, Beschichtungen oder potenziell langlebigen Chemikalien stabilisiert werden muss, stellt sich die Frage, ob der reine Materialwechsel von Plastik zu Papier wirklich die beste Lösung ist. Aus Gesundheits- und Umweltsicht wirken Mehrweg-Alternativen aus Edelstahl oder Glas plausibler, sofern ein Trinkhalm überhaupt nötig ist.

Sind Pappstrohhalme ökologisch überhaupt sinnvoll?

Die ökologische Bewertung von Pappstrohhalmen ist weniger eindeutig, als es die einfache Gegenüberstellung „Plastik schlecht, Papier gut“ vermuten lässt. Der wichtigste Vorteil gegenüber Kunststoffstrohhalmen liegt darin, dass Pappstrohhalme bei falscher Entsorgung nicht als klassischer Kunststoff über lange Zeit in der Umwelt verbleiben und nicht in gleicher Weise zu Mikroplastik zerfallen. Genau auf solche sichtbaren Wegwerfartikel zielte die EU-Einwegkunststoffrichtlinie: Die zehn wichtigsten Einwegkunststoffprodukte zusammen mit Fischereigerät machen laut Europäischer Kommission rund 70 Prozent des Meeresmülls in der EU aus.

Wichtig ist aber, was diese Zahl bedeutet. Es handelt sich um eine Littering-Perspektive. Littering bedeutet, dass Abfälle achtlos in der Umwelt landen, zum Beispiel an Stränden, Flussufern, Straßenrändern oder in Parks. Die EU-Zahl beschreibt also, welche Gegenstände besonders häufig als Müll gefunden werden. Sie sagt nicht automatisch, welches Produkt über den gesamten Lebenszyklus die beste Umweltbilanz hat. Dafür müssten auch Rohstoffe, Herstellung, Transport, Nutzungsdauer, Entsorgung, Recyclingfähigkeit und mögliche Schadstoffeinträge berücksichtigt werden.

Studien zeigen: Das Verbot allein hat nur begrenzte Wirkung

Eine Studie aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Waste Management untersuchte, wie stark die EU-Einwegkunststoffrichtlinie Müllfunde an Küsten und Flussufern tatsächlich verringern könnte. Grundlage waren fast 5.000 Sammelereignisse, also dokumentierte Müllzählungen an Stränden, Flussufern und ähnlichen Orten in Deutschland und der EU. Die Forschenden betrachteten dabei verschiedene Modellfälle. Im strengsten Fall wurde nur angenommen, dass die direkt verbotenen Produkte verschwinden, etwa Kunststoffstrohhalme, Kunststoffbesteck, Kunststoffteller oder bestimmte Styroporverpackungen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Werden nur diese direkten Verbote betrachtet, sinken die erwarteten Müllfunde lediglich um 2 bis 6 Prozent. Ein Verbot einzelner Produkte erfasst nur einen begrenzten Teil dessen, was tatsächlich an Küsten und Flussufern liegt. In den untersuchten Datensätzen waren Einwegkunststoffe zwar häufig, aber besonders auffällig waren je nach Erhebungsmethode auch Zigarettenfilter, Fischereigerät, undefinierte Kunststoffteile und sonstige Verpackungsreste. Wer nur den Strohhalm verbietet, löst also nicht automatisch das Grundproblem, dass Müll überhaupt achtlos in der Umwelt landet.

Die naheliegende Schlussfolgerung ist daher nicht, immer neue Detailvorgaben für jedes einzelne Alltagsprodukt zu schaffen. Entscheidender wäre eine konsequentere Durchsetzung einfacher Grundregeln: Abfälle müssen gesammelt, korrekt entsorgt und dürfen nicht an Stränden, Flussufern, Straßenrändern oder in Parks zurückgelassen werden. Dafür braucht es funktionierende Abfallinfrastruktur an stark frequentierten Orten, sichtbare Kontrollen und spürbare Sanktionen gegen Littering. Littering bedeutet schlicht: Müll wird dort weggeworfen oder liegen gelassen, wo er nicht hingehört. Genau dieser Verhaltens- und Vollzugsaspekt entscheidet am Ende stärker über saubere Gewässer als die Frage, ob ein einzelner Trinkhalm aus Kunststoff oder Pappe besteht.

Für Pappstrohhalme ist diese Einordnung besonders wichtig. Der Wechsel von Kunststoff zu Papier kann zwar verhindern, dass ein Plastikhalm langfristig als Kunststoffmüll oder Mikroplastik in der Umwelt verbleibt. Gleichzeitig bleibt der Pappstrohhalm ein Einwegprodukt mit extrem kurzer Nutzungsdauer. Wenn er schneller aufweicht, bricht oder wegen schlechter Funktion durch einen zweiten ersetzt werden muss, verschlechtert sich seine Umweltbilanz zusätzlich. Belastbare Zahlen dazu, wie oft Pappstrohhalme tatsächlich doppelt genutzt werden, sind bisher kaum verfügbar. Belegt sind aber technische Schwächen wie Wasseraufnahme, Festigkeitsverlust und schlechtere Nutzererfahrung. Wird ein Wegwerfprodukt dann zusätzlich mit Nassfestmitteln, Beschichtungen oder potenziell langlebigen Stoffen wie PFAS stabilisiert, wird der ökologische Vorteil gegenüber Kunststoff deutlich weniger eindeutig.

Die sinnvollere Reihenfolge: vermeiden, mehrfach nutzen, erst dann ersetzen

Ökologisch überzeugender ist deshalb nicht der reine Materialwechsel, sondern eine klare Reihenfolge: Strohhalme vermeiden, wo sie nicht nötig sind; bei echtem Bedarf Mehrweg-Alternativen aus Edelstahl oder Glas einsetzen; und nur dort auf Einweg zurückgreifen, wo es kaum vermeidbar ist. Politisch bleibt dabei jedoch eine wichtige Akzeptanzfrage: Fördern immer neue Detailvorgaben für Alltagsprodukte tatsächlich mehr Umweltbewusstsein, oder erzeugen sie eher Widerstand, weil viele Menschen sie als Bevormundung empfinden? Deutlich nachvollziehbarer wäre für viele eine konsequentere Durchsetzung dort, wo der Umweltschaden unmittelbar entsteht: bei Menschen, die Müll achtlos in die Umwelt werfen, illegal entsorgen oder Strände, Parks und Gewässer verschmutzen. Solche gezielten Kontrollen und spürbaren Sanktionen würden das eigentliche Fehlverhalten adressieren, statt vor allem den nächsten Produktwechsel zu erzwingen.

Warum Getränke aus Pappstrohhalmen oft schlechter schmecken

Viele Menschen empfinden Getränke aus Pappstrohhalmen als weniger angenehm: häufig werden ein papieriger Beigeschmack, ein stumpfes Mundgefühl oder der Eindruck von „nasser Pappe“ beschrieben. Plausibel ist das, weil Pappstrohhalme über mehrere Minuten direkt mit Flüssigkeit in Kontakt stehen, Feuchtigkeit aufnehmen und dadurch weicher werden können. Besonders auffällig ist das bei Getränken, die langsam getrunken werden oder eine dickflüssige Konsistenz haben, etwa Milchshakes, Proteinshakes, Smoothies, Eiskaffee oder Cocktails.

Geschmack entsteht nicht nur auf der Zunge, sondern auch durch Geruch, Temperatur, Mundgefühl und Haptik. Ein Strohhalm, der weich wird, an den Lippen klebt oder nach Papier riecht, kann die Wahrnehmung des Getränks deshalb deutlich verändern. Ähnlich erklären sich Alltagserfahrungen mit Glas, Kunststoffflaschen oder Shakern: Glas wirkt meist geschmacksneutraler, während Kunststoffe Gerüche und Aromastoffe aufnehmen und später wieder abgeben können. Dieser Effekt ist aus der Verpackungstechnik als Flavor Scalping bekannt. Du interessierst dich für Pflanzendrinks als Ersatz für Milch im Shaker? Dann schau in unserem Faktencheck hierzu vorbei!

Für die Bewertung ist das nicht nur eine Komfortfrage. Lebensmittelkontaktmaterialien sollen Lebensmittel nicht nur gesundheitlich sicher berühren, sondern auch Geruch und Geschmack nicht unvertretbar verändern. Wenn ein Pappstrohhalm ein Getränk spürbar nach Papier schmecken lässt oder während des Trinkens zerfällt, überzeugt er praktisch kaum. Ein Ersatzprodukt sollte nicht nur weniger Kunststoffmüll verursachen, sondern auch geschmacksneutral, stabil und alltagstauglich sein.

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