Immer häufiger werden Stimmen laut, die von einer zu hohen Nitratbelastung in unserem Grundwasser sprechen. Doch was ist dran an den Gerüchten? Wir beantworten die häufigsten Fragen rund um das Thema Nitrat im Wasser und gehen dabei auf Ursachen und Folgen der Nitratbelastung ein.

Was genau ist Nitrat eigentlich?

Das Thema Nitrat im Grundwasser taucht in den letzten Jahren immer häufiger auf und beschäftigt viele Deutsche. Doch was genau ist Nitrat eigentlich? Und wieso diskutieren wir so viel darüber? Zunächst zur Begriffsklärung. Nitrate sind wasserlösliche Salze aus Stickstoff, die sich überall in der Natur finden lassen. Die stark löslichen Salze dienen als Nährstoff und sind für das Wachstum von Pflanzen essenziell.

Wie gelangt Nitrat ins Grundwasser?

Mann der auf dem Feld arbeitet und Pflanzen düngt, was zu einer hohen Belastung von Nitrat im Wasser beiträgt

Neben ihrem natürlichen Vorkommen in Böden werden auch unnatürliche Nitrate in großen Mengen als Mineraldünger in der Landwirtschaft verwendet. Besonders belastet ist das Grundwasser unterhalb stark landwirtschaftlich genutzter Flächen. Denn der Dünger-Überschuss, der nicht mehr von pflanzlichen Organismen aufgenommen werden kann, wird mit einem kräftigen Niederschlag in das Erdreich gespült und bahnt sich so seinen Weg in unser Grundwasser.

Bis die Nährstoffe im Grundwasser ankommen, brauchen sie allerdings einige Jahre. Wie lange es genau dauert, bis das Nitrat im Grundwasser ankommt, ist bisher nicht bekannt. Das bedeutet wiederum, dass die heutige Konzentration von Nitrat im Wasser das Ergebnis der letzten Jahre Agrarwirtschaft ist und nicht die der heutigen Landwirte. Kurzfristig lassen sich die Nitratwerte im Trinkwasser also nicht reduzieren. Viel zu lange wurde keinerlei Rücksicht auf den Gewässerschutz genommen. Selbst eine vollständige Umstellung der Agrarwirtschaft zur Reduktion von Nitrat im Wasser, würde Jahre benötigen, bis sie sichtbar und messbar werden. Doch wie gefährlich ist Nitrat und für wen?

Wie gefährlich ist Nitrat im Wasser?

Wie gelingt Nitrat ins Wasser

Achtung bei Säuglingen!

Nitrat ist erst einmal für den erwachsenen menschlichen Körper unbedenklich. Anders sieht es bei Säuglingen aus. Denn bereits kleinere Mengen Nitrat können für Säuglinge ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko bedeuten. Grund dafür ist die Umwandlung von Nitrat in Kombination mit bestimmten Darmbakterien, in die Stickstoffkombination Nitrit. Ist das Nitrit erst einmal im Blut angekommen, verändert es den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport zuständig ist und oxidiert es zu Methämoglobin.

Methämoglobin kann anders als Hämoglobin keinen Sauerstoff binden, wodurch die Sauerstoffaufnahme einschränkt. Es kommt zu einer Zyanose. Die Anzeichen der sogenannten Zyanose sind die bläuliche Verfärbung der Haut, Schleimhäute, Lippen und Fingernägel, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Deshalb empfehlen Experten bei der Zubereitung von Babynahrung für Säuglinge, die jünger als drei bis sechs Monate alt sind, nitratarmes Wasser zu verwenden. nitratarmes Wasser findet sich bereits abgefüllt in Drogerien. Sie können nitratarmes Wasser aber auch selbst Zuhause herstellen. Dafür benötigen Sie lediglich eine Osmoseanlage. Neben Nitraten filtert eine Osmoseanlage auch viele weitere Schad- und Begleitstoffe wie Mikroplastik, Medikamentenrückstände und Schwermetalle aus Ihrem Leitungswasser.

Ist Nitrat im Wasser krebserregend?

Eins steht fest: Zu viel Nitrat führt zu Krankheiten! Aber wie schadet Nitrat unserem Körper und sind die kleinen Mengen an Nitrat im Wasser ausreichend, um uns krank zu machen? Nitrat selbst ist für den menschlichen Organismus vorerst unbedenklich. Reagiert allerdingt das Nitrat mit Eiweißbausteinen, bilden sich Nitrosamine, die bekanntlich krebserregend sind. Das stellte auch das deutsche Krebsforschungszentrum dkfz anhand von Tierversuchen fest, die den Zusammenhang zwischen Nitrosaminen und Krebs belegen.

Und auch dänische Wissenschaftler von der Universität Aarhus zeigen in ihrer Studie, zu den Langzeitfolgen von Nitrat im Trinkwasser, den deutlichen Zusammenhang zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko (Int J Cancer 2018; online 23. Februar). Demnach besteht bei lebenslangem Konsum bereits unterhalb der Nitratgrenzwerte ein erhöhtes Krebsrisiko.

Europaweit einheitliche Grenzwerte für Nitrat: Langzeitfolgen dabei unberücksichtigt

Person in weißem Schutzanzug nimmt eine Wasserprobe zur Messung der Nitratbelastung im Wasser

Um die Nitratwerte im Grundwasser zu kontrollieren und die Gesundheit zu schützen, gibt es gesetzliche Grenzwerte, die den Nitratgehalt im Wasser

regeln. Dieser wird in der deutschen Grundwasserverordnung (GrwV) geregelt und liegt europaweit bei 50 mg Nitrat pro Liter. Auch in der Trinkwasserverordnung wird eine maximale Konzentration von 50 mg pro Liter als Obergrenze für den Nitratgehalt im Trinkwasser bestimmt.

Leider wurde dieser Grenzwert nicht in Hinblick auf das bestehende Krebsrisiko festgesetzt, sondern zur Vermeidung von Akut-Toxizitäten bei Säuglingen. Welche Folgen eine lebenslange Aussetzung des menschlichen Körpers durch die hohen Nitratwerte hat, wurde dabei nicht berücksichtigt

Wie werden die Nitratwerte im Grundwasser überwacht?

Für die Überwachung der Nitratwerte werden Messstellen aus unterschiedlichen Messnetzen verwendet. Darunter auch das EUA-Messnetz (Europäische Umwelt Agentur). Das EUA-Messnetz besteht aus über 1.200 Messstellen und dient zur jährlichen Berichterstattung von Grundwasserzustandsdaten an die EUA.

Für den Bericht der EU-Nitratrichtlinie werden vor allem die landwirtschaftlichen Einzugsgebiete (692 Messstellen) des EUA-Messnetzes berücksichtigt. Die EU-Nitratrichtlinie prüft, inwieweit Maßnahmen zur Reduktion des Nitratgehalts im Wasser ergriffen wurden und berichten den aktuellen Zustand der Nitratbelastung in Deutschland alle vier Jahre an die EUA.

Zusätzlich zur EU-Nitratrichtlinie finden auch Untersuchungen zur Beurteilung des chemischen Zustandes deutscher Grundwasserkörper durch das Wasserrahmenrichtlinien-Messnetz statt. Die Bewertung der Wasserqualität findet alle sechs Jahre statt und berücksichtigt über 1.200 Grundwasserkörper und tausende Messstellen.

Die Auswertung des Nitrat- und des Wasserrahmenrichtlinien-Messnetzes präsentieren ähnliche Ergebnisse.

Wie ist die Situation in Deutschland? Nitratwerte viel zu hoch!

In Deutschland liegt der Nitratgehalt im Wasser viel zu hoch. Das zeigt der aktuelle Nitrat-Bericht aus dem Jahr 2020. In Deutschland weisen über 17 % der Messstellen des EUA-Messnetzes einen Nitratgehalt von über 50 mg pro Liter auf und liegen damit über dem maximalen Höchstwert. Und auch die Messungen des Nitratmessnetzes ergeben, dass ganze 27 % der landwirtschaftlichen Einzugsgebiete über dem Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegen und damit in einem schlechten chemischen Zustand sind.

Deutschlandkarte des Umweltbundesamtes mit farbigen Markierungen zu NItratbelastung in Deutschland

Quelle: Umweltbundesamt

EuGH verurteilt Deutschland wegen zu viel Nitrat im Wasser

Fest steht, dass trotz einheitlicher Grenzwerte, dass deutsche Trinkwasser teils in miserablem Zustand ist und nicht ausreichend Maßnahmen eingeleitet wurden, um den Nitratgehalt zu senken. Das entschied auch der Europäische Gerichthof (EuGH) und verurteilte Deutschland am 21.06.2018 wegen Nichtumsetzung der Nitratrichtlinie zur Senkung der Nitratbelastung im Trinkwasser.

Auswirkungen auf Trinkwasserpreise

Das könnte sich bald auch auf die Trinkwasserpreise auswirken. Um das Trinkwasser für Verbraucher aufzubereiten und den hohen Nitratgehalt aus dem Wasser zu filtern, bedarf es spezieller Filtrationen, die erst teuer nachgerüstet werden müssten und sich damit auf die Trinkwasserpreise auswirken.

So reduzieren Sie Ihren Nitratkonsum

Junge Frau in einem Treibhaus mit Gießkanne in der Hand

Um sich vor zu hohem Nitratkonsum zu schützen, lassen sich einfache Maßnahmen ergreifen. Neben dem Konsum von Nitrat über unser Grundwasser finden sich hohe Nitratwerte auch in Treibhausgemüse. Denn im Gegensatz zum Freilandgemüse kommt für den Anbau von Treibhausgemüse mehr Dünger zum Einsatz, was wiederum den Nitratgehalt erhöht. Mit der Umstellung auf saisonales Obst und Gemüse reduzieren Sie Ihren Nitratkonsum.

Eine weitere Möglichkeit Ihren Nitratkonsum zu reduzieren ist die Verwendung einer Umkehrosmoseanlage. Diese Anlage filtert Nitrat und weitere Schade- und Begleitstoffe zu 99 % aus Ihrem Trinkwasser. Zurück bleibt rückstandslos sauberes Wasser, dass selbst Säuglinge bedenkenlos trinken können.

Fazit: So gefährlich ist Nitrat im Wasser tatsächlich

Der Großteil des deutschen Trinkwassers ist Nitrat belastet und Folge Jahrzehnte langer Agrarwirtschaft ohne Rücksicht auf den Gewässerschutz. Spätestens nach dem EuGH-Urteil und Erkenntnissen unterschiedlichster Forschungseinrichtungen zum Zusammenhang des Nitratkonsums und einem erhöhten Krebsrisiko, sollte die Reduktion des Nitratgehalts und die Herabsetzung vorgeschriebenen Grenzwerte, das oberstes Ziel sein. Nicht zuletzt, um hohe Reparatur- und Nachrüstungskosten zu vermeiden, sondern auch um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Denn längst sind nicht alle Langzeitfolgen des Nitratkonsums bekannt.

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